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Ein dramatischer Vorfall hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie wichtig klare und unmittelbare Kommunikation ist. Am Abend des 2. November erschüttert ein Terrorangriff die Wiener Innenstadt. Vier Todesopfer und viele, teils schwer Verletzte sind zu beklagen. Bereits unmittelbar nach dem Anschlag melden sich Innenminister, Polizeichef und auch der Bundekanzler zu Wort. Es sind klare Worte und Botschaften, die von den Politikern und Entscheidungsträgern kommen: Terror und Gewalt haben in unserem demokratischen System keinen Platz. Nur Toleranz und ein gemeinsames Zusammenhalten können Frieden schaffen.

Öl ins Feuer gießen

Dass die Politik auch anders kann, sehen wir täglich. Bestes Beispiel dafür ist wohl „the greatest President“ in den USA. Donald Trump versteht es wie kein anderer seiner Vorgänger, das einfache Volk mit passend zugeschnittenen, einfachen Botschaften bei Laune zu halten. Leider verstärkt er damit auch Hass und Aggression und gießt Öl ins Feuer. PR-technisch macht Trump alles richtig: Er wählt genau jene Worte, die seine Zielgruppe, sein Publikum hören will. Und kommuniziert über die passenden Kanäle, vorzugsweise soziale Medien wie Twitter und Facebook. So kommen die Botschaften unmittelbar bei jenen an, die sie empfangen sollen.

Wenn der Chef spricht

Wenn Führungskräfte bzw. Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik sprechen, dann hat das Gewicht – egal, ob Inhalte vertrauenswürdig und inhaltlich korrekt, oder auch verzerrt dargestellt werden. Führungspersönlichkeiten haben eine besondere Verantwortung in ihrer Kommunikation. Ihre Botschaften können beruhigen, Vertrauen spenden, Halt geben oder eben auch indirekt oder direkt zu Unfrieden, Hass oder Gewalt aufrufen. Dabei ist es für den Durchschnittsbürger immer schwieriger, vertrauenswürdige Nachrichten von „Fake News“ zu unterscheiden. Denn kaum jemand macht sich die Arbeit, Inhalte zu recherchieren und auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Die Macht der Worte

Wie man politisch korrekt und angemessen kommuniziert, haben die Politiker und Entscheidungsträger nach dem Terroranschlag in Wien vorbildlich gezeigt. Insbesondere Bundeskanzler und Bundespräsident waren rasch zur Stelle und wählten klare, beruhigende Worte, die Gewalt verurteilen und ein starkes Miteinander betonen. Sie bestärkten unsere demokratischen Werte und eine deutliche Distanzierung von gewaltbereiten Ideologien. Ähnlich äußerten sich auch Spitzenpolitiker aus ganz Europa. Auch wenn die politische Landschaft in der EU eine recht unterschiedliche ist, so gibt es zumindest zum Thema Terror eine gemeinsame Linie.

Fazit für die Kommunikation

Was können wir aus tragischen Ereignissen der Wiener Terrornacht lernen? Zum einen ist in Krisen ein Faktencheck und eine rasche und klare Stellungnahme des Chefs bzw. der Chefin gefragt. Es gilt, authentisch und vertrauensbildend zu handeln. Schweigen dagegen ist in fast allen Fällen die schlechteste Wahl. Zweitens sollte der Inhalt der Botschaft ausreichend recherchiert und sorgfältig formuliert sein. Man darf Krisen nicht beschönigen, aber auch nicht Panik befeuern. Eine möglichst sachliche, politisch korrekte und pietätvolle Linie ist der richtige Weg, um zu beruhigen und Vertrauen zu schaffen. Nicht zuletzt ist der sorgfältige Umgang mit sozialen Medien entscheidend: Gerüchte und Falschmeldungen verbreiten sich deshalb so schnell, weil viele Nutzer Inhalte unreflektiert teilen. Dabei reicht oft der Hausverstand und ein kurzer Faktencheck – auch auf Mimikama oder Correctiv –, um echte von „Fake“ News zu unterscheiden.