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Obwohl der digitale Wandel das bestimmende Thema dieser Tage ist, sieht die Realität ganz anders aus. Jüngste Studien, wie beispielsweise der aktuelle OECD-Länderbericht von Juli, bescheinigen Österreichs Unternehmen ein vernichtendes Urteil. Speziell kleine und mittlere Firmen haben weder einen Plan für ihre digitale Zukunft, noch konkrete erste Projekte am Start. Besonders der Tourismus hinkt hinterher: Gerade mal 30 Prozent der Fremdenverkehrsbetriebe machen mehr als ein Prozent ihres Umsatzes online. Die skandinavischen Länder erzielen hier bereits mehr als 70 Prozent Umsatzanteil. Ausnahme vom digitalen Dämmerzustand sind nur Großunternehmen, die bereits deutliche Anteile ihrer Verkäufe über das Internet tätigen.

Ja zu Whatsapp, nein zu Cloud

Ähnlich trist sieht es bei der Nutzung von Cloud-Diensten aus. Während viele im privaten Bereich Messenger-Dienste, Dropbox und iCloud nutzen, sind dieselben Personen als Unternehmer äußerst skeptisch, wenn es um das Auslagern von Betriebsinformationen in die Wolke geht. Dabei sind die Cloud-Services der großen Anbieter in europäischen Rechenzentren als wesentlich sicherer einzustufen als die Datenhaltung in der Serverkammer im eigenen Büro. Oder auch als die Datenspeicherung von Facebook & Co., die ihre Server in den USA betreiben und damit dem Zugriff der NSA ausgesetzt sind. Mit ihrer abwartenden Haltung bringen sich die heimischen KMU in höchste (Über)Lebensgefahr, gilt es doch, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und sich so fit für die Zukunft zu machen.

Digitaler Hype?

Die Studie von Arthur D. Little aus 2016 unterstreicht, das rund 20 Prozent der heimischen Betriebe in der Digitalisierung nur einen Hype sehen, der wieder vorbeigeht. Auch sind nur 16 Prozent der Unternehmen auf Social Media-Plattformen aktiv. Im Vergleich dazu sind es 63 Prozent in den Niederlanden und 54 Prozent in Schweden. Es gibt also eine massive Diskrepanz zwischen dem Nutzungsverhalten der Konsumenten und dem digitalen Angebot der österreichischen Unternehmen. Damit drohen Wettbewerbsnachteile, Kaufkraftabfluss und Gefährdung des Wirtschaftsstandorts. Warum aber weist Österreich derart große Defizite auf?

Von den Kunden lernen

Eine von einem unserer Kunden durchgeführte Telefonumfrage zum Thema Digitalisierung gibt erstaunliche Antworten. Aussagen wie „Bei dem Hype mache ich nicht mit“ bis zu „Das betrifft mich sowieso nicht“ oder „Wir haben eine direkte VPN-Verbindung für den Support. Wir sind praktisch schon fertig mit der Digitalisierung“ zeigen, dass es sowohl an Wissen als auch an Bewusstsein fehlt. Die Unternehmen müssen lernen, ihre Kunden dort zu bedienen, wo sie kaufen wollen. Amazon oder Zalando führen das erfolgreich vor.

Digitale Medienarbeit

Auch wir als Kommunikationsagentur sind durch die aktuellen Entwicklungen gefordert. Einerseits beraten wir die Kunden in Richtung zusätzliche Kommunikationskanäle wie Social Media, Videos und Blogs. Zum anderen verbessern wir uns laufend selbst in der Nutzung digitaler Medien, um dadurch neue Geschäftsbereiche zu entwickeln – von der strategischen Beratung über die Umsetzung bis hin zur Erfolgskontrolle. Voraussetzung dafür ist, dass man sich proaktiv mit den Möglichkeiten der digitalen Welt beschäftigt und neue Dinge ausprobiert. Denn eines steht fest: Wer an alten Strukturen festhält, wird von der digitalen Welle überrollt werden.